Das LV-PDF, das der Generalunternehmer am Donnerstag schickt, ist deine Kalkulationsgrundlage. Es ist auch dein Zeitfresser. Drei Stunden Abtippen pro Anfrage sind die Regel, nicht die Ausnahme.
In einem Trockenbau-Betrieb mit 12 Mitarbeitern landen 1 bis 3 LV-Anfragen pro Tag. Pro Anfrage 2 bis 4 Stunden Übertragen ins Angebots-Tool. Macht über das Jahr 600 bis 1.500 Stunden — eine halbe bis ganze Stelle für Stupides. Bei einer Erfolgsquote von 25 Prozent bedeutet das: du bezahlst pro gewonnener Auftrag 8 bis 16 Stunden, die niemand mehr sehen wird.
Diese Anleitung baut einen Workflow, der die LV-Positionen automatisch aus dem PDF zieht und in dein Angebots-Tool vorbefüllt. Was bleibt: Einheitspreise prüfen, Korrektur, Freigabe. Aus drei Stunden werden zwanzig Minuten.
Was du in diesem Artikel mitnimmst:
- Ein Upload-Formular in MS365, in das deine Bürokraft das LV-PDF reinwirft
- Einen Flow, der PDF-Tabellen erkennt und in Excel oder dein AVA-Tool überträgt
- Eine Mapping-Logik, die GU-Texte mit deinen internen Kalkulations-Positionen verknüpft
- Eine ehrliche Antwort, wann ein vollwertiges AVA-Programm (orca AVA, NEVARIS) der bessere Weg ist
Was dich der Status quo kostet
Donnerstag früh, der Generalunternehmer mailt das LV-PDF. 32 Seiten, 180 Positionen — Trennwände in CW/UW-Profilen, Akustikdecken, F90-Schotts, Schiebetür-Konstruktion. Deine Bürokraft öffnet das PDF, dein Angebots-Tool und tippt ab. Ordnungszahl, Kurztext, Menge, Einheit — pro Position 40 bis 60 Sekunden. Bei 180 Positionen sind das 2 bis 3 Stunden.
Dann kommen die Tippfehler. Die "180" Quadratmeter werden zu "1.080". Die Einheit "lfm" landet in der Menge-Spalte. Der Kalkulator findet einen Teil davon, der Bauleiter den Rest auf der Baustelle. Wenn er Glück hat.
Drei Risiken, die du im Stillen wegspielst
Erstens: Übertragungsfehler im Angebot. Eine vertauschte Menge oder ein Komma-Fehler kann dich 5.000 bis 20.000 EUR kosten, wenn der GU darauf beharrt, dass der Einheitspreis aus dem Angebot gilt. VOB/A § 13 schützt dich nur, wenn der Fehler offensichtlich ist — bei einem realistischen Kommafehler ist das selten der Fall.
Zweitens: Nicht-bepreiste Positionen. Bei langen LVs übersieht jeder mal eine Position. Wenn du Position 4.3.7 nicht bepreist hast, gilt sie im Zweifel als "in den Hauptpositionen inkludiert". Heißt: du baust kostenlos.
Drittens: Verlorene Anfragen. Wenn deine Bürokraft drei Anfragen gleichzeitig auf dem Tisch hat, geht eine unter. Drei Wochen später meldet der GU: "Hat sich erledigt, wir haben anders vergeben." Du hast nie ein Angebot abgegeben.
Die Rechnung
Rechnen wir konservativ. "Spart Zeit" sagt nichts.
- 30 LV-Anfragen pro Jahr (mittlerer Trockenbauer mit GU-Kundenstamm)
- 3 Stunden Abtipp-Aufwand pro LV
- 90 Stunden im Jahr für Übertragung
- Bürokraft-Stunde effektiv 65 EUR
- Macht 5.850 EUR pro Jahr für reines Abtippen
Dazu die Fehlerkosten. Ein vermurkstes Angebot im Jahr (typische Quote bei 30 LVs) mit 8.000 EUR Schadensumme. Macht zusammen 14.000 EUR pro Jahr.
Der Workflow kostet dich Adobe-API rund 20 EUR im Jahr, Power Automate Premium 165 EUR pro Jahr und Server 0 EUR (n8n auf eigenem Server kostet auch ohne Workflow). Selbst mit großzügiger Einrichtungszeit (zwei Tage IT-Dienstleister) hast du den Hebel nach drei Monaten drin.
Schau dir die Themen-Roadmap für Bauhandwerk an, falls du noch andere Hebel im Büro suchst. LV-Bearbeitung ist nur einer von acht typischen Zeitfressern.
Das Zielbild in einem Satz
Bürokraft lädt LV-PDF in ein Formular hoch. Der Workflow extrahiert die Positionen, joint sie mit deiner Kalkulations-Liste und befüllt dein Angebots-Tool vor. Kalkulator schaut drüber, korrigiert Einheitspreise, gibt frei.
Was du brauchst
Eine Microsoft-365-Business-Standard-Lizenz für Forms, SharePoint und Power Automate. Für die PDF-Extraktion einen Adobe-Developer-Account (kostenlos, du zahlst pro Dokument). Optional einen n8n-Server, falls du den Adobe-Connector über n8n statt Power Automate ansprechen willst.
Praktisch: ein Service-Account automatisierung@firma.de als Eigentümer der Flows. Kostet 10,80 EUR/Monat (Microsoft 365 Business Standard, jährliche Abrechnung). Vorteil: der Workflow läuft weiter, wenn ein Mitarbeiter ausscheidet.
Für Adobe PDF Extract API brauchst du einen Premium-Konnektor in Power Automate. Premium kostet 13,80 EUR/User/Monat — aber nur für den einen User, der die Flows ausführt (also dein Service-Account). Alternative: n8n auf eigenem Server, Adobe-API per HTTP-Request — keine Premium-Lizenz nötig.
Schritt 1: Upload-Formular für LV-PDFs
Dein erster Baustein: eine Stelle, an die deine Bürokraft das LV-PDF hochlädt. Drei Wege.
Variante A: MS-Forms. Schnell eingerichtet, intern leicht zu schulen. Forms-Formular mit zwei Feldern: Datei-Upload (PDF) und Pflichtfeld "Baustelle / GU-Name / Frist". Vorteil: Forms-Antworten landen automatisch in einer Excel-Datei, an die du den Flow anhängst.
Variante B: SharePoint-Bibliothek. Eine Bibliothek LV-Eingang mit Spalten für GU-Name, Baustelle, Frist. Bürokraft schiebt das PDF rein. Vorteil: kein zusätzliches Formular, alles in einer Oberfläche.
Variante C: Outlook-Mail-Anhang. Bürokraft leitet die GU-Mail an lv@firma.de weiter, ein Flow zieht den PDF-Anhang raus. Vorteil: gar kein Klick zusätzlich. Nachteil: du kriegst keine Frist-Spalte, das müsstest du in den Mail-Betreff zwingen.
Empfehlung für die meisten Betriebe: Variante B. SharePoint ist robust, sortiert sich von alleine nach Datum, und du siehst den Eingangs-Stapel im Browser.
So legst du die SharePoint-Bibliothek an:
- Im Team "Bauleitung" oder "Kalkulation" — dort wo dein Kalkulator ohnehin arbeitet
- "Neu" → "Dokumentbibliothek" → Name:
LV-Eingang - Spalten anlegen:
GU-Name(Einzeilig, Pflicht)Baustelle(Einzeilig, Pflicht)Frist(Datum)Status(Auswahl: Eingegangen, Extraktion läuft, Mapping geprüft, Angebot freigegeben, Angebot abgeschickt)Extraktions-Qualität(Zahl 0 bis 100, wird vom Flow gesetzt)
Die letzten beiden Spalten sind wichtig. Status zeigt dir auf einen Blick, wo welches LV steht. Extraktions-Qualität ist die Notbremse: wenn der Flow sie unter 95 setzt, schaut ein Mensch drauf.
Schritt 2: Adobe-API-Account einrichten
Du brauchst Adobe-Developer-Zugang, um die PDF Extract API anzusprechen.
- Geh auf developer.adobe.com und melde dich mit deiner Geschäfts-E-Mail an
- "Create new project" → "Add API" → wähle "PDF Extract API"
- Authentifizierungs-Methode: "OAuth Server-to-Server" — das ist die Variante, die ohne menschliche Anmeldung läuft
- Du bekommst zwei Werte:
Client IDundClient Secret. Notiere beide.
Diese beiden Werte sind dein digitaler Zugangsschlüssel zur Adobe-API. Behandle sie wie ein Passwort.
Schritt 3: Der Extraktions-Flow
Jetzt der Kern. Power-Automate-Flow, der ein neues PDF in LV-Eingang erkennt, an die Adobe-API schickt und das Ergebnis zurück in eine Excel-Datei schreibt.
Die Schritte im Detail:
- Öffne make.powerautomate.com, melde dich mit dem Service-Account an
- "Erstellen" → "Automatisierter Cloud-Flow" → Name:
LV-Extraktion: PDF zu Excel - Auslöser: "Wenn eine Datei erstellt wird (nur Eigenschaften)" — wähle die Site und die Bibliothek
LV-Eingang - Aktion: "Dateiinhalt abrufen" mit dem
Identifierdes Auslösers - Aktion: "HTTP" (Premium-Konnektor) — POST an
https://pdf-services.adobe.io/operation/extractpdf, im Body die Datei-Referenz undelementsToExtract: ["text", "tables"] - Aktion: "JSON analysieren" mit dem Antwort-Inhalt — du kriegst ein Array
elementsmit Tabellen-Zellen - Aktion: "Auf jedes anwenden" über die Tabellen-Zeilen — pro Zeile eine Aktion "Zeile zu Tabelle hinzufügen" in einer Vorlagen-Excel
Hier prüft Power Automate, ob das Element vom Typ "table" ist und schreibt jede Zeile in die Excel-Datei:
@equals(item()?['Path'], 'Table')
Diese Zeile entscheidet, ob eine Tabellenzelle aus dem Adobe-Output in die Angebots-Excel übernommen wird.
- Aktion: "Eigenschaften des Elements aktualisieren" — setze
Status = Extraktion läuftundExtraktions-Qualität = (Zellen mit Inhalt / Gesamt-Zellen) * 100 - Bedingung: wenn
Extraktions-Qualität < 95→ Teams-Nachricht an Kalkulations-Kanal mit Link zur Datei: "LV manuell prüfen — Extraktion unsicher"
Schritt 4: Mapping auf deine interne Kalkulations-Liste
Die Adobe-API liefert dir das LV als Tabelle. Was sie nicht weiß: welche deiner Kalkulations-Positionen zu welcher GU-Position gehört.
Beispiel: der GU schreibt "CW-Profil 100mm, Doppelständerwerk, beplankt 2x12,5 GKB, Mineralwolle 80mm, qm". Du hast in deiner Kalkulation den Eintrag "TW-100-DP-MW" mit 38,50 EUR/qm. Die Verknüpfung machst du über Stichwörter im Langtext.
Bau dir eine Mapping-Tabelle in SharePoint, Liste Kalkulations-Mapping:
| Stichwort im GU-Text | Interne Position | Einheitspreis | Einheit |
|---|---|---|---|
| CW 100, Doppelständer, 2x12,5 GKB, MW | TW-100-DP-MW | 38,50 EUR | qm |
| CW 75, Einzelständer, 1x12,5 GKB | TW-75-EZ-1F | 24,80 EUR | qm |
| Akustikdecke abgehängt, Lochplatte | AD-LP-ABG | 62,40 EUR | qm |
| Brandschutz F90 Trennwand, GKF | BR-TW-F90 | 94,20 EUR | qm |
| Brandschott F90 Durchführung | BS-F90-DF | 78,00 EUR | Stueck |
| Schiebetür-Wand 3m bis 4m | ST-W-3-4M | 1.240,00 EUR | Stueck |
Diese Liste ist die Übersetzung von GU-Texten zu deinen Positionen. Pflegst du an einer Stelle. Ändert sich dein Einheitspreis, änderst du genau hier eine Zeile, nicht den Flow und nicht das Formular.
Jetzt der zweite Flow, der das Mapping macht:
- Auslöser: "Wenn ein Element erstellt wird" — Excel-Tabelle mit den extrahierten LV-Zeilen
- Aktion: "Elemente abrufen" aus der Liste
Kalkulations-Mapping - Aktion: "Auf jedes anwenden" über die LV-Zeilen — pro Zeile prüfst du, ob ein Stichwort im LV-Langtext steht
- Bei Treffer: setze in der LV-Zeile die Spalten
Interne Position,Einheitspreis,Einheitaus der Mapping-Liste - Bei Nicht-Treffer: setze
Interne Position = MANUELL— Kalkulator muss diese Zeile von Hand bepreisen
Der Trick mit den Stichwörtern: nicht eine 1:1-Zuordnung, sondern eine UND-Verknüpfung. "CW" UND "100" UND "doppel" UND "GKB" — wenn alle vier im Text stehen, ist es deine TW-100-DP-MW. Power Automate hat dafür die contains-Funktion. In Excel-Tabellen brauchst du eine kleine Hilfsspalte mit WENN(UND(SUCHEN(...);SUCHEN(...));...).
Schritt 5: Befülltes Angebot im AVA-Tool
Jetzt landet die fertige Excel mit LV-Positionen, Mengen, Einheiten und vorbefüllten Einheitspreisen in deinem Angebots-Ordner. Drei Wege zum Angebot.
Variante A: Excel direkt rausschicken. Funktioniert bei kleineren GUs, die ein Excel-Format als Antwort akzeptieren. Du formatierst die Excel an dein Briefpapier an, schickst sie als PDF zurück.
Variante B: Import in orca AVA. orca AVA 27 kann Excel-Daten in ein bestehendes LV importieren. Du nimmst die GU-LV-Datei (X83 oder importiertes PDF), öffnest sie in orca, importierst aus deiner Excel die Einheitspreise. Vorteil: orca produziert dir ein sauberes X84, das du beim GU hochlädst.
Variante C: Import in NEVARIS, Bechmann AVA, MWM-Libero. Andere AVA-Programme können das auch — die Import-Schnittstelle heißt meist "Preisspiegel-Import" oder "Bietertext-Import". Frag deinen Software-Anbieter nach der Excel-Spalten-Belegung.
orca AVA Professional
Solider Standard für Mittelständler. Excel-Import gut dokumentiert. Listenpreis ab rund 1.500 EUR einmalig plus Wartung.
NEVARIS Build
Häufig bei Generalunternehmern selbst — kompatibel ist gut. Cloud-Variante verfügbar, ab rund 60 EUR/User/Monat.
MWM-Libero
Eher für Architekten und Planer als für ausführende Trockenbauer. Aufmass-Modul stark, AVA-Modul brauchbar.
Wann lohnt sich der MS365-Weg, wann ein vollwertiges AVA-Tool?
Ehrliche Antwort. Drei Auslöser entscheiden.
Erstens: dein Auftragsvolumen mit GU. Wenn du 80 Prozent deiner Aufträge über Generalunternehmer machst und 30 oder mehr LVs pro Monat ankommen, ist orca AVA oder NEVARIS die richtige Wahl. Dann brauchst du Mengen-Übernahme aus dem X83, Bietertext-Ergänzung, Preisspiegel-Erstellung — das machen Standard-AVA-Programme besser als ein Workflow-Bastel.
Zweitens: dein Mix aus Privat und GU. Wenn du 50/50 oder mehr Privat machst, ist der MS365-Workflow effizienter. Privatkunden schicken kein GAEB, sondern eine Mail mit "Bitte ein Angebot für Trennwände im Keller". Da hilft dir kein AVA-Programm.
Drittens: dein IT-Vertrauen. AVA-Programme sind monolithisch — du sitzt zwei Tage in der Schulung, dann läuft es 10 Jahre. MS365-Workflows sind verteilt — du baust sie selbst zusammen, kannst sie aber jederzeit erweitern.
Empfehlung als Mittelweg: MS365-Workflow als Vor-Sortierer für kleine LVs (bis 50 Positionen) und Privat-Anfragen. Für die 5 großen GU-LVs pro Monat: orca AVA oder NEVARIS. Kosten zusammen: rund 100 EUR/Monat, sparst zwei Stunden pro LV.
DSGVO und Vertraulichkeit der LV-Daten
LVs enthalten keine personenbezogenen Daten — also kein DSGVO-Thema. Aber sie enthalten Bauvorhaben-Details, die der GU-Auftraggeber ungern öffentlich sieht.
Adobe-PDF-Extract-API verarbeitet die Datei kurz und löscht sie nach 24 Stunden aus dem System. Das steht in Adobes Verarbeitungsbedingungen. Wenn dein GU explizit fordert, dass die Bauunterlagen Deutschland nicht verlassen: Adobe-API läuft in den EU-Rechenzentren (Wahl beim Account-Setup), aber für höchstvertrauliche Bauvorhaben (Botschaften, Behörden, kritische Infrastruktur) baust du den Workflow mit n8n und einem lokalen PDF-Extraktor (Tabula, pdfplumber) — komplett auf eigenem Server.
Was der Workflow im Streitfall leistet
September 2026, der GU meldet bei Position 4.3.7 einen Mengen-Streit. Du behauptest 240 qm, der GU behauptet 180 qm — Streitwert 2.310 EUR.
Du öffnest die Bibliothek LV-Eingang, suchst nach Baustelle und Datum. Das Original-PDF liegt da, dazu die extrahierte Excel mit Zeitstempel der Extraktion und dem Adobe-API-Antwort-Hash. Du siehst: das PDF, das der GU im April geschickt hat, hatte bei 4.3.7 die Menge 240. Die Diskussion ist erledigt.
Das ist mehr als ein Zeit-Spar-Workflow. Es ist eine Audit-Spur, die im Streitfall mit dir spricht.
Was als nächstes kommt
Wenn dein Workflow läuft, sind drei Erweiterungen logisch.
Erstens: Angebots-Versand automatisieren. Wenn der Kalkulator das Angebot freigibt, schickt ein dritter Flow es als PDF an den GU und legt eine Aufgabe in der Nachfass-Liste an — siehe Offene Angebote nachverfolgen für Bauunternehmer.
Zweitens: Stundenzettel-Verknüpfung. Wenn du den Auftrag gewinnst, übernimmt der Workflow die LV-Positionen automatisch in die Aufmass-Listen der Bauleiter — das hängt aber davon ab, womit deine Bauleiter unterwegs vorerfassen.
Drittens: Preis-Historie. Jede LV-Extraktion liefert dir Stichwörter und Einheitspreise. Über 6 Monate hast du eine Preis-Statistik: welche GUs zahlen für CW-100-DP-MW im Schnitt was. Wertvoll für die nächste Kalkulationsrunde.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen GAEB X81, X83 und X84 — und welches Format soll ich beim Generalunternehmer anfordern?
X81 ist eine reine Leistungsbeschreibung ohne Preise und ohne Mengen — eher selten in der Praxis. X83 ist die Angebotsaufforderung: vollständiges Leistungsverzeichnis mit Mengen, das du als Bieter ausfüllen sollst. X84 ist das, was du zurückschickst — also dein gefülltes Angebot mit Einzelpreisen. In 90 Prozent der Generalunternehmer-Anfragen bekommst du X83 (oder ein PDF, das aus einem X83 erzeugt wurde). Empfehlung: frag beim ersten Auftrag nach, ob du das LV als X83-Datei zusätzlich zum PDF haben kannst. Bei großen Generalunternehmern (Goldbeck, Züblin, Strabag) ist X83 Standard und wird auf Nachfrage rausgegeben. Bei kleineren GUs kommt oft nur das PDF. Faustregel: PDF ist Pflicht-Eingang, X83 ist der Bonus, der dir 2 Stunden Abtippen spart.
Lohnt sich Adobe PDF Extract API — oder reicht ein Gratis-PDF-zu-Excel-Konverter?
Es kommt auf die Tabellen-Komplexität an. Gratis-Konverter (Smallpdf, ILovePDF, Adobe Acrobat Online-Konverter im kostenlosen Tier) reichen für einfache LVs mit klaren Spalten — also Ordnungszahl, Kurztext, Menge, Einheit. Bei verschachtelten LVs (Hauptposition mit Untertiteln, mehrzeilige Langtexte, Bietertextergänzungen) brechen die Gratis-Tools die Zeilen-Zuordnung. Adobe PDF Extract API kostet rund 0,05 USD pro Dokument und liefert strukturiertes JSON mit Tabellen-Erkennung — du sparst die manuelle Nachbearbeitung. Für einen Trockenbauer mit 3-5 LV-Anfragen pro Monat: 0,25 USD/Monat Adobe-Kosten gegen 2 Stunden Excel-Putzen. Lohnt sich. Für 30+ LVs pro Monat: erst recht. Alternative: AVA-Software (orca AVA, NEVARIS) hat X83-Import direkt eingebaut — wenn der GU dir X83 liefert, brauchst du kein PDF-Extract überhaupt.
Mein Generalunternehmer schickt das LV als Excel — brauche ich dann den Workflow überhaupt?
Halb. Excel ist deutlich näher am Ziel als PDF — Spalten sind strukturiert, Formeln gehen direkt rein. Aber zwei Probleme bleiben. Erstens: das Excel-Format des Generalunternehmers passt nie zu deinem internen Angebots-Tool. Spalten heißen anders, Reihenfolge stimmt nicht, Einheiten sind gemischt. Du brauchst eine Übersetzungs-Logik. Zweitens: du willst deine Material- und Stundensätze aus deiner internen Kalkulations-Liste ziehen, nicht von Hand eintragen. Ein Power-Automate- oder n8n-Workflow, der das GU-Excel mit deiner Kalkulations-Liste joint, spart dir die zweite Stunde. Empfehlung: bau den Workflow für PDF UND Excel-Eingang. Die Extraktions-Stufe ist anders, die Mapping- und Vorbefüll-Stufe ist identisch.
VOB/A und öffentliche Ausschreibungen — was ist da bei der Automatisierung erlaubt?
Du darfst alles automatisieren, was die Angebots-Erstellung intern beschleunigt. Was du nicht darfst: das Angebot ohne menschliche Prüfung abschicken. VOB/A § 13 verlangt, dass das Angebot vom Bieter geprüft und unterschrieben wird. Praktisch heißt das: Workflow läuft, befüllt dein Angebots-Tool vor, du oder dein Kalkulator schaut drüber, korrigiert Einheitspreise, gibt das Angebot frei. Zweite Falle: bei öffentlichen Ausschreibungen ab 50.000 EUR Nettoauftragswert für Ausbaugewerke (Schwellenwert für Trockenbau ohne Energie- und Gebäudetechnik nach der geplanten Vergabe-Reform 2026) musst du oft über das Vergabeportal des Auftraggebers (eVergabe, DTVP, Subreport) einreichen — da gibst du dein X84 hoch, nicht ein PDF. Dein Workflow erzeugt dann am Ende ein X84, nicht nur eine ausgefüllte Excel.
Wie zuverlässig erkennt die Adobe-API verschachtelte LV-Strukturen — Hauptposition, Unterposition, Langtext?
Bei sauber gesetzten PDFs (Generalunternehmer-Software wie iTWO, Bechmann AVA, NEVARIS exportiert) liegt die Trefferquote über 95 Prozent. Bei eingescannten PDFs (also: Generalunternehmer hat ausgedruckt und wieder eingescannt) sinkt sie auf 70 bis 80 Prozent, weil Adobe-OCR die Tabellen-Linien neu erkennen muss. Erkennungsmuster: Adobe liefert pro Tabellen-Zelle eine Bounding-Box mit Inhalt. Die Hierarchie (Hauptposition 1.1.1 zu Unterposition 1.1.1.1) erkennt es über die Tiefe der Einrückung in der Ordnungszahl-Spalte. Empfehlung: leg im Workflow eine manuelle Prüfstufe ein. Wenn die Extraktion mehr als 5 Prozent leere Felder hat, bricht der Flow ab und schickt eine Teams-Nachricht: 'LV manuell prüfen — Extraktion unsicher'. Lieber 10 Minuten gucken als ein Angebot mit Lücken abschicken.
Fazit
Drei Stunden Abtippen pro LV sind das Symptom. Die Ursache ist ein Format-Bruch: GU schickt PDF, du brauchst Excel oder X84. Adobe PDF Extract API und ein Power-Automate- oder n8n-Flow schließen die Lücke.
Was bleibt: deine Kalkulator-Stunde fließt in das, was wirklich zählt — Einheitspreise prüfen, Risiko-Aufschläge setzen, Wettbewerbssituation einschätzen. Das ist die Stunde, die Aufträge gewinnt.
Für die 5 großen GU-LVs im Monat lohnt sich zusätzlich ein vollwertiges AVA-Programm. Für die anderen 25 ist der MS365-Weg überlegen — weil er sich dem Eingang anpasst, statt umgekehrt.
Wenn du das Komplett-Paket willst — Formular-Vorlage, Flow-Export, n8n-Workflow-JSON und GAEB-Format-Spickzettel — lad die ZIP-Datei oben herunter. Setup-Anleitung für deinen IT-Dienstleister ist enthalten.
